Menu
Menu

Interview Nr. 6

Karl-Heinz ist ein zurückhaltender Mensch. Er ist leidenschaftlicher Handwerker und glaubt daran, dass selbst-gemacht immer am besten ist. Sein ganzes Leben hat er in unserem schönen Ort verbracht und wollte dabei nie woanders hin. Er hat einige spannende Geschichten zu erzählen und ist ein toller Opa.

Zu Gast bei einem Ur-Lorsbacher

Karl-Heinz

»Als meine Frau das erste Mal aus der Stadt nach Lorsbach kam, wollte sie nie wieder weg.«

Wenn Karl-Heinz über sein Leben spricht, strahlt er große Zufriedenheit aus. Er ist stolz auf das, was er aus seinem Leben gemacht hat und rundum glücklich mit seiner Frau, seinen zwei Kindern und den vier Enkeln. Alle leben sie in Lorsbach, wie auch Karl-Heinz Eltern schon. Sein ganzen Leben hat er in diesem Ort gelebt und nie einen Gedanken daran verloren, wegzuziehen.

Begeistert erzählt er, wie er in jungen Jahren mit dem Wintersportverein den Berg nach Langenhain hochgestapft ist, um das Skifahren zu erlernen. Seine ersten Skier – wohlgemerkt noch aus Holz – hat er bis heute aufbewahrt. Auch von seiner Zeit in der freiwilligen Feuerwehr, der er nach seiner Konfirmation beitrat, erzählt er gerne.

Allgemein kann er uns viel aus der Vergangenheit unseres beschaulichen Ortes berichten. Früher zum Beispiel sei nicht jeder auf die höhere Schule gegangen, die Grundschule ist das Non-plus-ultra gewesen. Aus seiner Klasse habe lediglich ein Schüler anschließend das Gymnasium in Höchst besucht. Das Leben der Leute spielte sich früher viel mehr im Ort ab, als heutzutage. Ausflüge nach Frankfurt zum Beispiel, waren eine Seltenheit. Wozu auch? Man hatte im Ort alles, was man braucht. Neben zahlreichen Wirtschaften gab es einige Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelläden. All das, was heutzutage zur Mangelware geworden ist. Mit sieben Lederfabriken und dem legendären Fuxbau war zudem einiges los in Lorsbach. Wenn morgens um sieben die Züge mit den Lederfabrikanten am Bahnhof ankamen, waren die Straßen zunächst voll mit Menschen. Ebenso abends, wenn die Jugendlichen aus der Umgebung nach Lorsbach pilgerten, um den Fuxbau aufzusuchen. Das blieb nicht immer friedlich, es kam hin und wieder zu brennenden Briefkästen oder ähnlichem und auch Polizeieinsätze waren keine Seltenheit. Karl-Heinz haben sie Mal eine große Mutter durch die Scheibe seines Geschäfts geschmissen.

Das Geschäft ist schon seit er denken kann Teil seines Lebens. Karl-Heinz Vater, ein Polsterer, Tapezierer, Dekorateur und Sattler, wie der Beruf früher hieß, gründete es 1936 – also einige Jahre vor Karl-Heinz Geburt – nachdem sein Chef ihm wegen wegfallender Kundschaft kündigen musste. Doch noch während Karl-Heinz einige Jahre später seinem Vater nacheiferte und seine Ausbildung zum selben Beruf in Marxheim absolvierte, starb sein Vater im Alter von nur 57 Jahren. Fortan musste er mit gerade einmal 16 Jahren nicht nur ohne einen Vater auskommen, sondern auch das Geschäft weiterführen und parallel seine Ausbildung abschließen. Dies meisterte er, indem er zwei Tage die Woche in seinem Ausbildungsbetrieb arbeitete, an einem Tag in die Berufsschule ging und die restliche Zeit die Aufträge des Geschäfts erledigte. Noch heute ist er sehr dankbar dafür, dass die Leute trotz seines jungen Alters in ihn vertraut haben und ihn mit der Herstellung von nicht gerade günstigen und durchaus wertvollen Produkten beauftragten.

»Früher hat jeder voneinander gewusst, was er gestern getan hat, was er heute macht und was er morgen oder übermorgen tut. Und das war auch gar kein Problem.«

Das Geschäft existiert noch heute und wird hauptsächlich von seinem Sohn geführt, doch die Leidenschaft des Handwerks brennt noch immer in Karl-Heinz. Erst kürzlich hat er zum Beispiel einen kompletten Raum in seinem Haus tapeziert oder den Sitz seines neu erworbenen Motorrollers gepolstert. Zweiräder haben es ihm sowieso angetan. Anfangs noch in falscher Bescheidenheit abgetan, zeigt er uns später doch voller Stolz sein 500 Kilogramm schweres Motorrad, mit dem er gerne in Begleitung seiner Frau auf Touren fährt. Doch auch auf vier Rädern machen sie es sich gerne bequem: Auf seinem Traktor fährt Karl-Heinz gerne bei Veranstaltungen wie dem Lorsbacher Kerbeumzug mit. Zudem treffen er und seine Frau sich regelmäßig mit den „Traktorfreunden Lorsbach“. Bei diesen Treffen stehen nicht undbedingt die Traktoren im Vordergrund, gerne wird vor allem der selbstgekelterte Apfelwein konsumiert. Davon hat Karl-Heinz einiges im Keller, um die 700 Liter. Auch wenn das für ihn nicht mehr als eine Badewannenfüllung ist, sind wir doch mächtig beeindruckt beim Anblick seines Kellerraums. Und geschmeckt hat der Apfelwein dann auch noch.

»Ich bin zufrieden mit dem, was ich im Leben geschafft habe. Solange meine Frau und ich gesund bleiben und uns hier und da auch mal was leisten können, geht’s mir gut.«